Salt Of This Sea
  [nicht mehr im Kino - Release: 15. Januar 2009]
   
 

Milh hadha al-bahr • Die 28-j√§hrige Soraya reist aus Brooklyn, wo sie aufgewachsen ist, zum ersten Mal in die Heimat ihrer Vorfahren, nach Pal√§stina. Hier sucht sie das eingefrorene Geld ihrer Grosseltern vom Konto in Jaffa abzuheben und begibt sich unverhofft mit dem hier geborenen Emad auf eine Reise durch die Landschaften. Salt of this Sea ist ein Roadmovie, das die Suche nach den verlorenen Wurzeln beschreibt und nach dem, was man mit Heimat bezeichnet.

Die Filmemacherin Annemarie Jacir hat bereits mit ihren Kurzfilmen Aufsehen erregt. In ihrem ersten Spielfilm Salt of this Sea l√§dt sie uns ein auf eine verr√ľckte Reise durch eine Region, die ihren Figuren eigentlich verschlossen w√§re, weil Freiheit in diesem Gebiet ein Fremdwort ist. Ihr Roadmovie f√ľhrt uns einerseits durch unbekannte Landstriche in Pal√§stina und l√§sst uns andererseits eintauchen in die Geschichte von Jacirs Heimat. Doch keine Angst: Der Film ist alles andere als eine dr√∂ge Geschichtslektion; es geht der Filmemacherin ums Innere von Geschichte. Jacir l√§sst uns teilhaben: Was heisst es, wenn einem ganzen Volk die Heimat weggenommen wird und man das Haus der Vorfahren, aus dem diese vor 60 Jahren mit Gewalt vertrieben wurden, nun von anderen bewohnt vorfindet? Das ist alles andere als nur ein Ph√§nomen des Nahen Ostens, es zeigt sich dort einfach besonders intensiv. Annemarie Jacir erz√§hlt also nicht nur die Geschichte einer jungen Frau, die erstmals jene Region besucht, die ihre Grosseltern zur√ľcklassen mussten, sie l√§sst uns f√ľhlen, was Zahlen und Fakten nie beschreiben k√∂nnen. Ihr Film ist atmosph√§risch dicht, ber√ľhrend, ohne polemisch zu sein. Im Gegenteil: Sie zeichnet die Israelin, die in Jaffa ihre eigene Generation verk√∂rpert, als sehr offen und genauso Kind einer Geschichte voller Ungerechtigkeiten. Der Film ist eine bewegende Reise ins Innere der Migration mit fiebrigen und stillen Momenten. Was uns seit Jahrzehnten √ľber oberfl√§chliche Schlagzeilen begleitet, wird hier wieder einmal vom Menschlichen her fassbar, weil es von innen betrachtet wird. Wo der Welt l√§ngst die Worte fehlen, hat Annemare Jacir Bilder gefunden. Und eine eigene Geschichte geschrieben, die von Suheir Hammad, einer grossartig pr√§sentabsent wirkenden Schauspielerin, verk√∂rpert wird, einer Frau notabene, die eigentlich Poetin ist und hier die Verzweiflung eines Volkes verk√∂rpert. Letztlich ist der Film aus vielen sichtbaren und verborgenen Elementen komponiert, ohne dass er sie betont: Es reicht aus, dass sie da sind und aus sich heraus zusammen f√ľhlbar machen, was Migration heisst.


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VERLEIH: trigon-film

 

REGIE:
Annemarie Jacir
PRODUKTION:
Bero Beyer
Jacques Bidou
Marianne Dumoulin
CAST:
Suheir Hammad
Saleh Bakri
Riyad Ideis
DREHBUCH:
Annemarie Jacir
KAMERA:
Beno√ģt Chamaillard
SCHNITT:
Michèle Hubinon
MUSIK:
Kamran Rastegar
KOSTÜME:
Hamada Atallah

LAND:
Palästina
Belgien
Frankreich
Spanien
Schweiz
JAHR: 2008
LÄNGE: 109min