Ouaga Saga
  [nicht mehr im Kino - Release: 17. November 2005]
   
 

Ein Film von Dani Kouyat√© • Ouagadougou ist die Hauptstadt von Burkina Faso. Der Name allein ist schon Musik. Ouagadougou ist aber auch das Mekka des schwarzafrikanischen Kinos, denn hier findet alle zwei Jahre das Fespaco statt, das wichtigste Festival des Kontinents. Wenn der burkinabische Theater- und Filmemacher Dani Kouyat√©, der auch in der Schweiz mit seinen m√§rchenhaften B√ľhnenexperimenten bekannt und beliebt ist, nun einen Film gestaltet hat, den er gewitzt Ouaga Saga betitelt, so hat dies denn auch verschiedenste Gr√ľnde.

Zun√§chst einmal ist das ganz einfach eine aberwitzige Kom√∂die mitten aus dem Leben in Afrika, das auf der Leinwand in seiner ganzen Buntheit bl√ľht. Es ist eine st√§dtische Kom√∂die, die vor Augen f√ľhrt, dass ein Land wie Burkina Faso auch von einem st√§dtischen Leben gepr√§gt ist. Dann ist es eine Hommage ans Kino in Ouagadougou und in Afrika √ľberhaupt, denn alles dreht sich in Ouaga Saga immer wieder um den Film und den Ort, an dem die Menschen Filme anschauen und geniessen. Das Kino ist hier einer der wichtigen Treffpunkte, ein Ort der Emotionen, denen man freien Lauf lassen kann. War sein letzter Spielfilm Sia, le r√™ve du Python ein stark an Traditionen ankn√ľpfendes Werk, so versucht Dani Kouyat√© hier die gegenw√§rtige Realit√§t in seiner Heimat Burkina Faso in einer Geschichte umzusetzen, die aus dem Leben gegriffen ist und in den Alltag hinein inszeniert. So nah sie mitten im Treiben drin ist, so wunderbar leicht ist sie auch wieder √ľberh√∂ht, bis sie am Ende abhebt vom Planeten Erde und davonschwebt. Aus dem Weltall wird vor allem eines deutlich: Schwarzafrika mit Ouagadougou ist nicht nur ein anderer Kontinent, das ist ein anderer Planet.

"Ich versuche, die Gegenwart in Burkina Faso zu √ľbersetzen", sagt Dani Kouyat√©, "eine Wirklichkeit, in der sich die √∂konomischen Sorgen mit einer grossen Jugendarbeitslosigkeit eingeschrieben haben, der Wille, Erfolg zu haben, die sozialen Umst√§nde, ohne dabei in eine pessimistische Vision zu verfallen oder in ein negatives Bild." Genau dies gelingt ihm aufs Vorz√ľglichste, und da ist schon sehr stark der Theatermacher sp√ľrbar, der in seinen Experimenten das Geschichtenerz√§hlen abtastet, das Betrachten der Realit√§t, aus der heraus Geschichten wachsen, die sie auch wieder vergessen lassen, die die wildesten und buntesten Bl√ľten treiben k√∂nnen und vor Aug und Ohr f√ľhren, wie reich die menschliche Fantasie ist und die Spielfreude.

"Mehrere Elemente, Personen und Umst√§nde sind charakteristische Erinnerungen an Ouagadougou und an meine eigene Kindheit", sagt Dani Kouyat√©. Dieses positive und joviale Universum, diese Lebenslust, die Liebe zum Kino, die Kunst dessen, was sie ¬ęSyst√®me D¬Ľ nannten wie "D√©brouille" (schlag dich durch) sei pr√§gend gewesen f√ľr ihn und seine Freunde. Ouaga Saga ist denn auch eine sehr pers√∂nlich gepr√§gte Hommage an die Stadt Ouagadougou geworden und eine Liebeserkl√§rung ans Kino. "Ich versuchte, ihre Verr√ľcktheit zu rekonstruieren, ihren Dynamismus, ihre Verschiedenheiten und ihre Vitalit√§t, alles Momente, die Darstellende im Film geworden sind."

Dar√ľber hinaus ist Ouaga Saga auch ein modernes M√§rchen. Dani Kouyat√© lacht verschmitzt, wenn man ihn auf die kleinen M√§rchenglitzerelemente anspricht, die den Film zus√§tzlich glitzern lassen. "Weisst du, wie viel Zeit wir aufgewendet haben, um das alles so sch√∂n hinzubekommen", lacht er. "Der Gebrauch von Spezialeffekten war ein Grundelement auf k√ľnstlerischer Ebene wie auf technischer, um den Geist von Ouaga Saga hinzubekommen. Die kleinen ‚ÄĻTricks‚Äļ unterstreichen eine Komik und Leichtigkeit des Films, sie verleihen ihm auch einen fantastischen Charakter und etwas Popul√§res im besten Sinn desWortes, denn sie sind auch Teil der Magie der Erz√§hlungen und Geschichten. Um das zu erreichen, haben wir in High Definition gedreht, was sich als ideal erwies."

Und die Handlung selber? Sie ist kunterbunt im besten Sinn. In der Hauptstadt eines afrikanischen Landes namens Burkina Faso versucht eine Bande von Jugendlichen zu √ľberleben und zu bl√ľhen angesichts der 1001 Versuchungen. Kouyat√© erz√§hlt eine Reihe von Abenteuern von Jungs, die sich durchschlagen m√ľssen in einem heruntergekommenen Quartier von Ouagadougou, die auf der Suche sind nach Hoffnungszipfeln. Das Geld fehlt, nicht aber der Ideenreichtum. Und so lassen sie sich eben allerhand einfallen, geniessen im Kino Howard Hawks und sehen den Ort der bewegten und bewegenden Bilder als ein Paradies und einen Fluchtpunkt. Ob sie es wohl schaffen, sich den Traum vom Multiplex zu erf√ľllen, in dem sie gleich mehrere Geschichten zeigen k√∂nnen? Wer weiss.


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VERLEIH: trigon-film

 

REGIE:
Dani Kouyaté
PRODUKTION:
Agnès Datin
KAMERA:
Jean-Claude Schifrine
SCHNITT:
Jean-Daniel Fernandez-Qundez
TON:
Francis Baldos

LAND:
Frankreich
Burkina Faso
JAHR: 2004
LÄNGE: 85min