Ende der Erinnerung?
  [nicht mehr im Kino - Release: 02. Februar 2017]
   
 

Ein Film von Peter Schreiner • 2011, zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, wurde unter dem Patronat von Alt-Bundesr├Ątin Ruth Dreifuss in Bern die Aufl├Âsung der ┬źKontaktstelle f├╝r ├ťberlebende des Holocaust in der Schweiz┬╗, eines offiziell eingetragenen Vereins, festlich begangen. Damit wird die Geschichte aber nicht ad acta gelegt: Die Zeremonie bildet den Rahmen des Films, ihr gegen-├╝ber gestellt sind Berichte von Mitgliedern der ┬źKontaktstelle┬╗ ├╝ber ihre schrecklichen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg sowie Szenen aus dem Vereinsalltag und Momente weiterer Zusammenk├╝nfte der ├ťberlebenden. Auch steuert eine Ausstellung des Malers Gerhard Richter, der sich gezielt mit den Schicksalen einiger ├ťberlebender aus der Kontaktgruppe auseinandergesetzt hat, einen Erz├Ąhlstrang bei.

1995, sehr sp├Ąt, 50 Jahre nach Kriegsende, haben sich ├ťberlebende des Holocaust in der ┬źKontaktstelle┬╗ zusammengefunden. Zuvorderst stand die Einbindung in eine Gemeinschaft von Schicksalsgenossen und das Finden einer Sprache f├╝r das Erlebte. Erst nach und nach begannen einzelne Mitglieder in der ├ľffentlichkeit, in Schulen oder an Universit├Ąten davon zu erz├Ąhlen. Der Film zeigt denn auch Sch├╝ler und Studenten, die gebannt den Schilderungen dieser Zeitzeugen lauschen. Sie geh├Âren zu letzten ├ťberlebenden, die noch zu Wort kommen k├Ânnen. Damals, zur Zeit des Nationalsozialismus, waren sie j├╝nger als ihre jetzigen Zuh├Ârer. Ihre Geschichten sollen als Mahnmal in die Zukunft wirken.

Mit einer heute 15 B├╝cher umfassenden Publikation in Form eines Sammel-bands, der den Titel tr├Ągt ┬źMit meiner Vergangenheit lebe ich┬╗ kam es schliesslich auch zu schriftlichen Zeugnissen. F├╝r diese ersch├╝tternden Berichte steuerte der K├╝nstler Gerhard Richter, der sich lange schon der deutschen Vergangenheit widmet, die Buchcovers bei und erm├Âglichte 2016 eine Herausgabe im Suhrkamp-Verlag Berlin. Die Buchcovers sind Teile seines vierteiligen Werks ┬źBirkenau┬╗, in denen er authentische Fotos aus einem Konzentrationslager zu grossen abstrakten Bildtafeln verarbeitete.

Die Buchpremiere des Sammelbands fand anl├Ąsslich der Ausstellung von Richters Birkenau-Bildern im Frieder Burda-Museum in Baden-Baden im Fr├╝hjahr 2016 statt. Der Kurator verwies auf den ┬źdenk-mal┬╗-Charakter des Gemeinschaftswerks. Es geht um die existenzielle Frage: Wie kann das Unfassbare des Holocaust heute kommuniziert werden? Richters Birkenau-Bilder und die B├╝cher der Holocaust├╝berlebenden stehen beide f├╝r den Versuch einer ┬źVergegenw├Ąrtigung┬╗ und bilden einen Widerpart zur seiner-zeitigen Veranstaltung in Bern, als die ┬źKontaktstelle┬╗ der ├ťberlebenden feierlich aufgel├Âst wurde.


© 2017 -diverse-

VERLEIH: -diverse-

 

REGIE:
Peter Schreiner
DREHBUCH:
Peter Schreiner
MUSIK:
Mark Varshavsky

LAND:
Schweiz
JAHR: 2016
LÄNGE: 62min