Les baliseurs du desert
 
   
 

Ein Film von Nacer Khemir • "Wanderer der W├╝ste" vom tunesischen Filmemacher Nacer Khemir spielt in einer vagen Gegenwart. Nacer Khemir f├╝hrt uns bildlich gesprochen ins Leben der W├╝ste ein. Es ist ein Leben ausserhalb des g├Ąngigen Zeitbegriffs. Das Schiff, das da pl├Âtzlich vor den Mauern der Stadt liegt, k├Ânnte jenes von Sindbad dem Seefahrer sein. Es steht f├╝r das Meer, f├╝r die Suche nach der Weite, nach dem Anderen hinter dem Horizont. Das Schiff weist einerseits auf die andalusische Br├╝cke: Cordoba ist da und Samarkand nie fern. Die Baliseurs, die W├╝stenwanderer, sie ziehen einher, singen ihre andalusischen Lieder, summen vor sich hin, wie der Wind.

"Unsere Kinder", sagt der Alte, "sie gehen nach und nach im besten Alter. Der Fluch reisst sie in seine Fata Morgana und l├Âscht sie f├╝r immer aus." Die W├╝ste verschlingt ihre eigenen Kinder. Der Alte hat sein ganzes Leben dem Buch gewidmet, hat die Seiten neu geordnet, hat es wieder entziffert. Die W├╝stenwanderer, meint er, sie sollten es lesen, "um den Fluch zu erkennen". Der Lehrer soll ihm dabei helfen, er, der Mittler zwischen Vergangenheit und Zukunft. Einmal mehr l├Ąsst uns der Tunesier tr├Ąumen, einmal mehr zeigt er uns in Gestalt des Uniformierten auch, wie Tr├Ąume ihre Feinde haben. Der Offizier jedenfalls regt sich auf, fragt erbost, ob es nicht schon genug Geschichten gebe. Geschichten verunsichern ihn in ihrer Offenheit. Er ist es gewohnt, nach festen Regeln zu denken und zu handeln. Er verliert sich am Ende daf├╝r im Dunkel der W├╝ste, und ├╝brig bleibt ein einziges R├Ątsel: Die Zeit. Erinnern wir uns. An den Anfang des Films, zum Beispiel. Der Fahrer des klapprigen W├╝stenbusses sagt zum Lehrer, der unterwegs in ein Dorf ist: "Es gibt kein Dorf". Erinnern wir uns. An die Bilder des Filmes zum Beispiel, die wie gemalte Tableaus das Dorf zeigen, das es f├╝r denjenigen gibt, der es aufsucht. Es ist verfallen zwar, man m├╝sste es auf den alten Grundmauern wieder errichten, aber es existiert in seinem Kern noch. Da sind die Alten, die ihre Weisheit mit sich im Kopf herumtragen, die lebendige Tradition, das alte Wissen verk├Ârpern. Da sind die Kinder, die unbek├╝mmert durch die engen Gassen rennen, die es dann und wann ans Licht zieht und die sich einen Sport daraus machen, mit Spiegelscherben den Garten wieder herbeizuzaubern, den sie nur vom H├Ârensagen kennen.


© 2018 trigon-film

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REGIE:
Nacer Khemir
CAST:
Nacer Khemir
Soufiane Makni
Noureddine Kasbaoui
Sonia Ichti
Hedi Daoud
Hassen Khalsi
Abdelazim Abdelhack
DREHBUCH:
Nacer Khemir
KAMERA:
Georges Barsky
SCHNITT:
Moufida Tlatli
TON:
Faouzi Thabet
MUSIK:
Fethi Zgonda
AUSSTATTUNG:
Robert Narbonne
KOSTÜME:
Maud Perl

LAND:
Frankreich
JAHR: 1986
LÄNGE: 95min