Il Bacio di Tosca
  [nicht mehr im Kino - Release: 16. August 2001]
   
 

Von Daniel Schmid • Giuseppe Verdi, der keine direkten Erben hatte, trug zehn Jahre lang die Idee einer 'Casa di riposo' mit sich herum. Zwei Jahre vor seinem Tod stand das Neorenaissance-Haus. Zusammen mit dem Architekten Camille Boito, dem Bruder seines langjährigen Librettisten Arrigo Boito, hatte er er an der Piazza Buonarroti in Mailand errichten lassen. Aber er wollte nicht, dass das Heim vor seinem Tod eröffnet würde, da er es nicht liebte, bedankt zu werden. Hingegen war es sein Wunsch, gemeinsam mit Giuseppina Strepponi, seiner zweiten Frau und Lebensgefährtin, die ln den vierziger Jahren des 19.Jahrhunderts eine berühmte Primadonne gewesen war, in der Krypta der Casa begraben zu werden.

Verdi sah das Altersheim für Musiker vor, besonders natürlich für die 'gente del spettacolo lirico', für die Leute der Opernbühne also, die 'weniger Glück im Leben hatten als ich und die nicht mit der Gabe der Sparsamkeit gesegnet waren'. Testamentarisch legte er fest, dass alle Tantiemen für die 'Fondazione Giuseppe Verdi' und damit für das Altersheim bestimmt seien. Seit der Eröffnung am 10. Oktober 1902, am Geburtstag des ein Jahr zuvor verstorbenen Komponisten, haben über 1000 Komponisten, Dirigenten, Musiker und Sänger dort ihren Platz gefunden. Die Zulassungsbedingung entspricht der Hierarchie in der Oper: Zuerst sollen die Komponisten, dann die Dirigenten und - die Rangfolge weiter hinunter schliesslich die Choristen ein Zimmer erhalten. Heute beherbergt das Haus etwa 65 Leute, die meisten davon sind zwischen 80 und 96 Jahre alt, fünf sind ehemalige Stars der dreissiger Jahre: allen voran Sara Scuderi, dann Irma Colasanti, Giuseppina Sani, Giulia Scaramelli und Giuseppe Manacchini.

1962 sind die Rechte auf sämtliche Werke Verdis abgelaufen; seither zehrt die Casa Verdi von ihrer Substanz. 1978, in einer sehr schwierigen finanziellen Situation, wurde die 'Associazione di amici della casa di riposo' gegründet, die in den letzten Jahren über 100 Millionen Lire gesammelt hat, teils dank Donationen, teils dank persönlichem Einsatz von Sängern. So gibt Luciano Pavarotti beispielsweise ein bis zweimal pro Jahr ein Konzert für die Casa Verdi.

Wie es aber weitergehen wird, ist ungewiss.


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VERLEIH: Columbus Film

 

REGIE:
Daniel Schmid
PRODUKTION:
Hans-Ulrich Jordi
Marcel Hoehn
DREHBUCH:
Daniel Schmid
KAMERA:
Renato Berta
SCHNITT:
Daniela Roderer
TON:
Luc Yersin
MUSIK:
Giuseppe Verdi
Giacomo Puccini

LAND:
Italien
Schweiz
JAHR: 1984
LÄNGE: 87min