Araf
  [nicht mehr im Kino - Release: 22. August 2013]
   
 

Ein Film von Yesim Ustaoglu • Zehra ist eine junge Frau, die am ├ťbergang zum Erwachsensein steht. Um sie herum wirkt vieles desolat, ein Gef├╝hl, das noch verst├Ąrkt wird durch das Klima. Das fr├Âhliche Wesen von Olgun, der seine Gef├╝hle Zehra gegen├╝ber nicht verheimlicht, macht sie auch nicht gl├╝cklicher. Elle tr├Ąumt davon, anderswohin zu gelangen, in ein wirkliches Leben. Mahul ist ein Fernfahrer, der immer mal wieder an der Rastst├Ątte vorbeikommt, in der Zehra arbeitet. K├Ânnte er es sein, der sie von hier wegbringt? Schweigsam, ein leicht angegrauter Bartwuchs, das rosenkranz├Ąhnliche Komboloi dauernd in den H├Ąnden, ist er der ┬źMann┬╗, w├Ąhrend Olgun eher wie der Spielgef├Ąhrte wirkt. Das Erwachen wird hart sein.

Araf bedeutet soviel wie Limbo, ein Zustand des ├ťbergangs, der Schwebe. Es ist ein Raum zwischen zwei Dingen, Somewhere in Between, wie der englische Untertitel es ausdr├╝ckt. Das wird auch perfekt verk├Ârpert durch den Ort dieser Rastst├Ątte mit Tankstelle, die sich manchmal in einer Art Parallelwelt zu befinden scheint, von wo aus man ein anderes Leben sich abspielen sieht, jenes der Fernstrasse, ganz nah und doch so weit. Dieses ┬źzwischen zweien sein┬╗, das ist auch das, was Zehra und Olgun erleben: Sie sind noch nicht erwachsen, aber auch keine Kinder mehr. Es gibt da auch noch diese Kleinstadt, die am Untergehen zu sein scheint, wie seine Industrie: Die Zeit steht still. Die Kamera (Michael Hammon) der Regisseurin Yesim Ustaoglu erfasst meisterlich diesen Zwischenzustand. Sie versteht es, all die Ambivalenzen zu erfassen in denen die Figuren aus ihrem Schwebezustand auszubrechen versuchen, aber gleichzeitig Angst davor haben nur schon vor dem Gedanken, ihn zu verlassen. Doch die wirkliche Glanzleistung der Filmemacherin ist es, dass sie trotz den oft d├╝steren und k├╝hlen T├Ânen des anatolischen Winters Bilder geschaffen hat, die nichts depressives an sich haben, ganz im Gegenteil. Es gibt diese lichterf├╝llten Momente, die die Erz├Ąhlung durchziehen und diese Bilder die ein subtiles visuelles Geflecht der Emotionen erzeugen. Die Leidenschaft, die die Filmemacherin ihren Figuren gegen├╝ber zeigt, ist derart stark, dass man sp├╝rt, dass sie sie nie allein lassen w├╝rde. Verwurzelt in einer traurigen Wirklichkeit ist Araf ein Film voller Hoffnung.


© 2018 Trigon Film

VERLEIH: Trigon Film

 

REGIE:
Yesim Ustaoglu
PRODUKTION:
Serkan Cakarer
Catherine Dussart
Viola F├╝gen
Yesim Ustaoglu
Michael Weber
CAST:
Neslihan Atag├╝l
Baris Hacihan
├ľzcan Deniz
Nihal Yalcin
Yasemin Conka
DREHBUCH:
Yesim Ustaoglu
KAMERA:
Michael Hammon
SCHNITT:
Naim Kanat
Mathilde Muyard
Svetolik Zajc
TON:
Sylvain Malbrant
MUSIK:
Marc Marder
KOSTÜME:
Ayse Yildiz

LAND:
T├╝rkei
Frankreich
Deutschland
JAHR: 2012
LÄNGE: 124min